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Sie ist schon zwei Wochen alt die Schmitzkatze und ich habe sie auch gleich gelesen. Ich will mich nicht wieder ergehen in Lobeshymnen, die ich schon anlässlich der vergangenen Ausgaben hier und anderswo gesungen habe: Das Layout ist inspirierend, die Besprechungen sind lesens- und beachtenswert, die anderen Texte sind Impulsreich und – das habe ich noch nicht gesagt, die seit der vorletzten Ausgabe vorhandene Werbung stört – für mich: wider Erwarten – überhaupt nicht. Ganz abgesehen davon, dass so ein Projekt auf Dauer nicht überleben kann, wenn es keine Quellen findet, aus denen es finanziert wird. Werbung für Bücher ist für ein solches Lesejorunal nicht die schlechteste.

Mir hat es ein besonderer Artikel angetan, der – wie ich finde – überregionale Bedeutung hat. Thomas Schmitz verkündet unter dem Titel „Amazonien“ auf zwei Seiten „das Ende der Bescheidenheit“ und schreibt ein leidenschaftliches Plädoyer für den persönlichen Buchhandel, wie ich ihn nennen möchte.
Ja, ich gebe es zu: ich habe bislang auch bei Amazon gekauft. Insbesondere dann, wenn ich wusste was ich haben wollte (und das weiss ich eigentlich immer) – aber die Argumente von Thomas Schmitz sind überzeugend: Warum denn eigentlich in Amazonien kaufen, wenn auch jeder Buchhändler jedes Buch bei seinem Grossisten über Nacht bestellen kann. Oder noch genauer: Bei Amazon ist im Sortiment, was hohe Verkaufszahlen hat. Etwas entlegenere Titel sucht man in Amazonien vergeblich und dann – das ist das entscheidende – ist niemand da, der helfen kann.
Leider bedeutet es für manche Zeitgenossen schon: Nicht bei Amazon, also nicht lieferbar. Weit gefehlt! Da frage man doch mal den Buchhändler seines Vertrauens, der findet das gute Gewünschte, und sei es dass er direkt bei Verlag anruft. Dann ist es zwar nicht über Nacht geliefert, aber in 2-4 Tagen ist der Titel im Laden. Aus Amazonien bekäme man es gar nicht!

Ich habe es ausprobiert und meine Buchkaufpraxis umgestellt. Was gar nicht so aufwändig war, da ich die Bücher ohnehin von Amazon in die Packstation habe schicken lassen und die Buchhandlung Schmitz nur wenige hundert Meter davon entfernt ist. Für zwei Publikationsprojekte habe ich die Fachliteratur nun über die Buchhandlung Schmitz (!) gekauft, teils wahrlich entlegene Titel.
Ich habe alle Möglichkeiten die Schmitz nennt: Bestellung im Laden, über den Shop auf der Internetseite, per Email oder telefonisch ausprobiert. Und tatsächlich, die Sachen waren größtenteils am nächsten Tag im Laden und – das nenne ich Kundenorietierung -wenn die Titel nicht gleich gefunden werden konnten, wurde (teils in meinem Beisein) bei Grossisten und Kollegen oder beim Verlag nach Restposten oder Remittenten recherchiert und meist auch was gefunden. Selbst zentralverzeichnis antiquarischer Bücher (ZVAB) wurde bemüht.
Ich hatte damit gleichsam eine ausgelagerte Rechercheabteilung: Buch wünschen, der Buchhändler sucht.
Ja, warum sollte ich das eigentlich nur bei den schwierigen Fällen machen? Selbstverständlich werden künftig alle meine Buchwünsche von diesem Buchhändler meines Vertrauens erledigt.

Und, es ist völlig richtig bemerkt Thomas Schmidt in seiner Empörung: in den kleinen Gesprächen nebenbei im Laden oder am Telefon, ja sogar in den kurzen Antwort-eMails ist immer Zeit für ein persönliches Wort und die eine oder andere weitere Empfehlung, nicht orientiert an den Verkaufszahlen und der Gewinnmarge, sondern an meinen Interessen und dem Fachwissen der Buchhändler.

Ja, es ist Zeit zu prüfen, ob wir mit den vielen Möglichkeiten, die das Intenet so bietet nicht mache Kultur kaputt optimieren. Ja, wenn ich späten abends noch am Computersitze und recherchiere scheint Amazon so nah, aber recherche dort und „copy-and-paste“ in eine eMail an die Buchhandlung Schmitz geht im Grunde genauso schnell und das Buch ist dann im Buchladen und wird mir mit freundlichem Wort meine Recherchebeute überreicht. Und – der Buchpreisbindung sei Dank – zum selben Preis!

Schmitzkatze kann man auch elektrnisch als pdf bei ISUU lesen, hier: Schmitzkatze 1-13
Den online Buchladen der Buchandlung Schmitz gibt es hier: Schmitz Buchshop

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