Ja, ein gemütliches Beisammensein in den vier Wochen vor Weihnachten ist – genau genommen – keine Weihnachtsfeier (sondern eine Adventsfeier) und der am sechsten Dezember besonders von Kinder verehrte Heilige Nikolaus von Myra war Bischof daselbst und trug eine Bischofsmitra und keine rote Zipfelmütze, wie der Weihnachtsmann.

Es sei hier angemerkt, dass es zu den modernen (christlichen, katholischen?) Mythen gehört, dass der Weihnachtsmann eine Erfindung der Marketingabteilung von Coca Cola sei. Diese Firma nutzt die Darstellung des Weihnachtsmannes erst seit 1931. Mindestens bis ins 19.Jh. reichen jedoch die Quellen, die einen Weihnachtsmann vornehmlich in überwiegend protestantischen Weltgegenden nachweisen. Die Katholiken haben mit dem Christkind gekontert, das interessanterweise in den süddeutschen Regionen oft weiblich ist.

Also ja, die vorweihnachtlichen Weihnachtsfeiern sind eigentlich Adventsfeiern und der Nikolaus hat eine Mitra getragen. Und nun auch noch das aus der katholischen Besserwisserei: Man wünsche sich nicht vor Weihnachten schon ein frohes Weihnachtsfest oder gar frohe Weihnachten, weil man dies frühestens am heiligen Abend (24.12), besser jedoch erst am ersten Weihnachtstag tue. So zumindest ist es nun auch in den „Sozialen Netzen“ lesen kann und heute ist mir erstmals jemand begegnet, der auf mir meinen freundlichen Wunsch für ein frohes Weihnachtsfest, statt mit einem ebensolchen Wunsch zu entgegnen, mich belehrte, dass es nicht korrekt sei, sich dies jetzt schon zu wünschen, weil ja noch nicht Weihnachten sei.

Da muss ich als Sprachwissenschaftler mal zu bedenken geben, dass sich Wünsche immer auf die Zukunft richten. Mit einem freundlichen: „Ich wünsche Dir frohe Weihnachten“ oder kurz: „Frohe Weihnachten“ ist so etwas gemeint wie: „möge das kommende Weihnachtsfest für dich ein fröhliches sein“! So markiert es der Kontext und der Sprechakt.

Damit da keine Missverständnisse entstehen: Ich bin Christ und fühle mich trotz allem in der katholischen Tradition. Aber: Liebe Glaubensbrüdern und -schwestern, liebe Kampfkatholiken! Glaubt ihr wirklich, dass wir nach diesen Jahren der Skandale um Missbrauch von Kindern, Rehabilitierung von Holokaustleugner, Integrationsversuchen von ewig Gestrigen u.v.a.m. keine anderen Sorgen, keine anderen Aufgaben haben, als unsere Mitmenschen mit derlei Besserwisserei zu malträtieren?
Wird die Welt um einen Deut besser, wenn wir unsere gemeinsamen Abende im Advent „Adventsfeiern“ nennen, unseren Schokoladenmänner eine Mitra statt einer Zipfelmütze aufsetzen und erst am Weihnachtstag „frohe Weihnachten“ wünschen?

Jetzt kommen ja ruhigere Tage. Zeit zur Besinnung, Einkehr und Umkehr. Nutzt Sie!

Ich wünsche allen einen besinnlichen heiligen Abend und frohe Weihnachten!

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