In einem Vortrag beschrieb ich eine Person, die viel zu einem Thema weiss als wandelnde Enzyklopädie, als Themen-Enzyklopädie.
Anwesende Zeitungsleute berichteten nun in ihrem ihrem Artikel über diesen Vortrag, dass ich die Person als wandelndes Themen-Lexikon bezeichnet hätte.

Ich bin mir natürlich nicht sicher, wie diese Person auf  die eine und die andere Bezeichnung reagiert hat. Klar, ein „wandelndes Lexikon“ zu sein ist auch etwas Positives. Leider trifft es aber nicht das, was ich zu sagen versucht habe: Ich hatte die Absicht, die Person zu beschreiben als jemanden, der sich in diesem Thema sehr gut auskennt und auch die entlegenste Information zum Thema parat hat, dass man ihn befragen kann und er (fast) immer eine Antwort weiss und auch der Vernetztheit dieser Informationen  Rechnung trägt sind. Genau besehen ist das das genau Gegenteil von einem Lexikon.

Aus diesem Anlass hier mal ein paar Unterscheidung zum Thema Enzyklopädie, Lexikon und Wörterbuch. Oft werden Lexikon und Enzyklopädie synonym gebraucht, wie im geschilderten Fall. Aber auch Wörterbücher werden oft als Lexikon bezeichnet.

[dropcap] E[/dropcap]nzyklopädien sind Wissenssammlungen, oft, aber nicht notwendiger Weise, alphabetisch mit Hilfe von Stichworten sortiert und erschlossen und damit den Lexika nicht unähnlich.  Jedoch sind sie keinesfalls mit ihnen identisch, weil die Zugangsstruktur über Stichwörter eben nur eine Erschließungshilfe ist und nicht der Darstellungsanlass. Ein Beispiel für eine Enzyklopädie, die nicht in Artikeln gegliedert ist, die mit einem Stichwort überschrieben sind und dann danach alphabetische sortiert sind, ist die Cambridge Enzyklopädie der Sprache von David Crystal. Natürlich sind solcherlei Enzyklopädien dann oft mit einem Stichwortregister erschlossen.

[dropcap] L[/dropcap]exika beschreiben Dinge, Strukturen und Zusammenhänge, ausgehend von Wörtern. Eine ganze Reihe von Sachwörterbüchern sind so strukturiert und damit ganz nah an den alphabetisch sortierten mit Stichwörtern versehenen Enzyklopädien.  Oft  beschreiben sie die Inhaltsseite (Bedeutung) von Wörtern, gelegentlich finden sich auch Informationen zur Ausdrucksseite.

Beispiele dafür sind die Sprichwörterlexika (z.B. Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten oder Wander: Deutsches Sprichwörterlexikon)

[dropcap] W[/dropcap]örterbücher erklären, beschreiben Wörter. Beschrieben wird die Ausdrucksseite (Graphematik (Orthographie), Morphologie und Syntax), die Inhaltsseite dient der Unterscheidung, der genaueren Bezeichnung der Wörter. So muss zum Beispiel über die Bedeutungsangabe zwischen Bank ‚Sitzgelegenehiet‘ und Bank ‚Geldinstitut‘ unterschieden werden, damit die unterschiedliche Pluralbildung Bänke bzw. Banken beschrieben werden kann.

Der Beschreibungsanlass von Enzyklopädien dagegen ist die Erläuterung von Sachverhalten und Zusammenhängen, die (Stich)wörter sind hier nur Such- und Findehilfen.

Dem Anspruch der Enzyklopädie gerecht werden erst die neuen Medien und die Wikipedia, die des (Stich)wortes eigentlich gar nicht mehr bedürfen, weil über den gesamten Text gesucht werden kann. Diderot hätte seine wahre Freude – und in diese Reihe wollte ich die eingangs genannte Person stellen.

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